Wer heute zukunftssichere Entscheidungen treffen will, muss die technischen, strategischen und kommerziellen Ebenen seiner Systemlandschaft im Detail verstehen. Wie dieser Durchblick in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, komplexen Datenlandschaften und stetiger Transformation gelingen kann, diskutierten Experten und Anwender auf den DSAG-Technologietagen 2026 in Hamburg.
Das diesjährige Motto „Lights on Layers. Clarity-by-Design?“ unterstreicht die Notwendigkeit, komplexe SAP-Themen auf allen Ebenen systematisch zu durchleuchten. Im Fokus der Veranstaltung stehen Themenfelder wie Modernisierung sowie KI- und Daten-Strategien. Wir waren vor Ort und teilen in diesem Beitrag die interessantesten Einblicke mit Ihnen.
Während die einleitende Keynote von DSAG-Technologievorstand Stefan Nogly inhaltlich wenig neue Perspektiven eröffnete, setzte SAP-CTO Dr. Philipp Herzig mit seiner Botschaft „All in on AI“ die strategischen Leitplanken. Herzig betonte, dass Modernisierung und Wertschöpfung Hand in Hand gehen müssen. Die SAP selbst würde diesen Weg aktiv bestreiten.
Spannend war dabei der ehrliche Einblick, dass SAP intern zwar noch hybrid unterwegs ist, KI aber bereits intensiv einsetzt. Rund 35.000 Mitarbeitende arbeiten aktiv mit Joule. Von der Stoßrichtung her war der Vortrag allerdings wenig überraschend. Wer die SAP-Strategie der letzten Monate verfolgt hat, kannte die Botschaft bereits.
Deutlich interessanter war die anschließende Podiumsdiskussion mit Jessica Wolf, Marian Zeis und Hakan Keles. Hier ging es um zentrale Themen wie KI, Daten und Security, aber vor allem darum, was die Community aktuell beschäftigt. Es war der unmittelbare Praxisbezug, der die Runde zu einem der Highlights des ersten Tages machte. Man hat gemerkt, dass dort echte Themen aus der Unternehmenspraxis adressiert werden und auch der Mehrwert der DSAG-Community sichtbar wird.
So hat Hakan Keles die Interoperabilität der SAP Business Data Cloud (BDC) kritisiert. Delta Sharing sei aktuell „proprietär verpackt" und nur über ausgewählte Partnerlösungen wirklich nutzbar. Darüber hinaus fehle für On-Premises-Szenarien eine überzeugende Anschlusslösung. Gleichzeitig attestierte er SAP Datasphere eine gute Produktreife für viele produktive Use Cases. Er prognostizierte, dass KI-Agenten auf Datenplattformen in ein bis zwei Jahren ganz normale Realität sein werden. Allerdings merkte er auch an, dass die Vertragsgestaltung rund um BDC schnell komplex werden könne. Ein Problem, das vielen aus der Praxis bekannt sein dürfte.
SAP Business Data Cloud
Der Vortrag von Thorsten Ammon und Jagen Handers zur SAP Business Data Cloud (BDC) bewegte sich durchgehend auf einem sehr strategischen Level. Die bekannten Eckpfeiler wurden erneut eingeordnet. SAP positioniert die BDC als kommerzielles Gesamtprodukt und setzt dabei konsequent auf Partnerschaften mit Databricks, Google, Microsoft und Snowflake, um ein umfassendes Datennetzwerk aufzubauen, das auch externe Quellen einbindet. Auch die Möglichkeit, bestehende BW Landschaften in die BDC zu überführen, wurde thematisiert.
Wer allerdings auf konkrete Neuigkeiten oder frische Roadmap-Details gehofft hatte, wurde weitgehend enttäuscht. Inhaltlich blieb die Session eine Zusammenfassung des bereits Bekannten.
Auch bei dem Thema "Seamless Planning" gab es inhaltlich nicht viel Neues. Die Einschränkung mit der Wiederverwendung der Datasphere Dimensionen in SAP Analytics Cloud Planung besteht weiterhin. Eine Abhilfe wurde für das vierte Quartal 2026 angekündigt. In der Zwischenzeit müssen Dimensionen manuell in SAC repliziert werden. Neu ist allerdings die Möglichkeit, Datasphere Aufgabenketten aus SAC heraus zu starten. Das eröffnet neue Möglichkeiten in der Modellierung und Datenbeschaffung. So können z. B. HR-Planungsdaten über Transformationsflüsse als Grundlage für die Finanzplanung genutzt werden.
Ein Lichtblick war allerdings die Preview des Data Product Studios. Dieses hinterließ einen vielversprechenden Eindruck und könnte die Art und Weise, wie Unternehmen Daten bereitstellen und konsumieren, grundlegend verändern. Die Entwicklung markiert einen Paradigmenwechsel in der Datenbereitstellung. Statt Datenprodukte zentral über einen “Push”-Mechanismus zu verteilen, rückt ein „Pull"-Modell in den Mittelpunkt, bei dem Endanwender selbst aktiv werden.
Sie sollen künftig mithilfe natürlicher Sprache eigenständig Datenprodukte wie Berichte im Marktplatz finden und nutzen können. Das Konzept überzeugt, allerdings ist Geduld gefragt. Erste Previews des Data Product Studio waren bereits vor über einem halben Jahr zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass SAP nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.
Ein echtes Highlight war das Thema Planung und Analysen mit Künstlicher Intelligenz in SAP Analytics Cloud (SAC). Besonders die abschließende Demo zum „Conversational Planning“ zeigte eindrucksvoll, wohin die Reise geht. Anstatt die Datenaktionen und Planungslogiken manuell zu bauen, definieren Anwender lediglich, was sie erreichen möchten. Der KI-Assistent Joule übernimmt die Umsetzung und erstellt selbstständig die entsprechenden Datenaktionen, baut die Skript-Logiken auf, generiert Berichte sowie Dashboards.
So vielversprechend wie die Demo wirkte, blieben allerdings einige Fragen offen. Allen voran die Preisgestaltung. Im aktuellen AI Units Modell der SAP Analytics Cloud werden einzelne KI-Funktionen wie Zusammenfassung von Kommentaren oder Generierung von erweiterten Formelberechnungen pro Anfrage abgerechnet. Wie das bei Conversational Planning funktionieren soll, das potenziell weitaus komplexere Operationen umfasst, ist im Moment unklar. Angekündigt wurde lediglich, dass ab Q3 2026 erste Funktionen verfügbar sein werden.
Damit sich AI-assistierte Features wie der Story Generation Agent durchsetzen, braucht es unserer Meinung nach zwei Dinge. Erstens eine Community-getriebene Prompt-Kultur, in der Best Practices geteilt werden und sich Vorreiter etablieren können. Zweitens frühzeitige Kostentransparenz seitens SAP. Ohne klares, zugängliches Preismodell wird kein CIO seinem Team erlauben, explorativ mit diesen Features zu arbeiten. SAP muss hier den Einstieg erleichtern, sonst droht Zurückhaltung durch Unsicherheit bei Kosten und Nutzen.
Der Vortrag von Marian Zeis hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie weit KI-Agenten die Rolle des Entwicklers im SAP-Umfeld heute bereits übernehmen können. Und zwar ohne SAP Joule und AI Units. Stattdessen kommen Open-Source-Ansätze zum Einsatz, bei Bedarf auch mit lokalen Modellen, sodass keine Daten das eigene Ökosystem verlassen müssen.
Gezeigt wurde die KI-gestützte Entwicklung mithilfe von MCP-Servern und Large Language Models (LLMs), integriert in gängige IDEs und KI-Tools wie Cursor, VS Code oder Claude Code. In der Live-Demo wurden Anwendungen End-to-End generiert und direkt in das SAP-System integriert. Dabei wird bei ABAP Logiken dieselbe Schnittstelle angesteuert wie Eclipse ADT selbst.
Der Vortrag machte damit sehr greifbar, dass sich die Rolle des Entwicklers bereits verschiebt. Weg vom klassischen, manuellen Implementieren, hin zu neuen Kernkompetenzen: Steuerung, Prüfung und tiefgreifendem Verständnis der von KI generierten Logik.
Marian Zeis pflegt eine kuratierte Übersicht verfügbarer MCP-Server für das SAP-Ökosystem auf GitHub. Diese deckt neben Fiori und ABAP auch Datasphere, Business Data Cloud und SAC ab, womit das Thema auch für den Data & Analytics-Bereich unmittelbar relevant wird.
Auch wir waren mit einem eigenen Vortrag auf den Technologietagen vertreten. In unserem Vortrag „Pflege von Hierarchien und Data Access Controls in SAP Datasphere – Self-Service-Datenpflege in Datasphere, Databricks und mehr mit NextTables“ haben wir gezeigt, wie sich die Datenverwaltung durch einen echten „Business-First“-Ansatz revolutionieren lässt. In einer Live-Demo zeigten wir Use Cases wie Pflege von Hierarchien und Data Access Controls. Die Teilnehmer konnten live mitverfolgen, wie sich Änderungen unmittelbar im Reporting auswirken.
Mit NextTables können Anwender unkompliziert Tabellen anlegen und Daten pflegen, während technische Validierungen automatisch greifen. Hinzu kommen Features wie objektbasierte Berechtigungen, ein umfassendes User- und Rollenmanagement sowie komfortable Such- und Anzeigefunktionen für Stammdaten.
Da die Lösung nahtlos in die bestehende Systemlandschaft integriert ist und Daten direkt an der Quelle bearbeitet werden, bleibt das Single-Source-of-Truth-Prinzip jederzeit gewahrt und bietet eine lückenlose Data Governance sowie hohe Datensicherheit. Es werden keine Datensilos und Schatten-IT aufgebaut. Als Ergebnis sinkt die Abhängigkeit von der IT massiv und fehleranfällige manuelle Excel-Lösungen gehören der Vergangenheit an. Gleichzeitig werden die Prozesse der Fachabteilungen signifikant beschleunigt.
Die DSAG-Technologietage 2026 haben ein differenziertes Bild gezeichnet. SAPs strategische Richtung ist klar: „All in on AI" und die Business Data Cloud als zentrale Lösung für Planung und Analysen. Doch zwischen Vision und Umsetzung klafft an einigen Stellen noch eine spürbare Lücke.
Während Themen wie die BDC und Seamless Planning inhaltlich wenig Neues boten, überzeugten vor allem die praxisnahen Sessions. Allen voran das Conversational Planning in SAC und die KI-gestützte Entwicklung mit MCP-Servern. Sie haben greifbar gemacht, wie tiefgreifend KI die Arbeit mit SAP-Systemen bereits heute verändert.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass für eine breite Adoption noch entscheidende Voraussetzungen fehlen: Kostentransparenz bei KI-Features, echte Interoperabilität der Datenplattformen und Mut, auch jenseits des SAP-eigenen Ökosystems zu denken. Die Community-Beiträge auf dem Podium und in den Sessions haben einmal mehr gezeigt, dass der ehrliche Austausch zwischen Anwendern und Experten der eigentliche Mehrwert solcher Veranstaltungen ist.
Wenn Sie aktuell Ihre SAP-, Daten- oder KI-Strategie weiterentwickeln und die gewonnenen Erkenntnisse in konkreten Mehrwert übersetzen möchten, unterstützen wir Sie gerne. Ob bei der Identifikation der richtigen Use Cases, der Einordnung von SAPs KI-Strategie oder dem Aufbau einer zukunftssicheren Datenarchitektur - lassen Sie uns ins Gespräch kommen. Gemeinsam bringen wir Ihre Vorhaben von der Vision in die Umsetzung.