Der BW Modeling MCP Server: KI-Agenten arbeiten direkt in Ihrem SAP BW
SAP investiert stark in KI und macht Joule zum Herzstück seiner Business AI Plattform. Auch für SAP BW hat SAP einen klaren Modernisierungskurs.
BW/4HANA wird bis Ende 2030 regulär gewartet und ist bis 2040 zugesagt, die eigentliche Zukunft sieht SAP aber in der Business Data Cloud. Dahin will SAP nach und nach die Kunden bringen, die noch BW im Einsatz haben. Der erste Schritt führt über die Private Cloud Edition, in die ein bestehendes BW zunächst gehoben wird, damit es von SAP gemanagt läuft. Erst das schafft die Voraussetzung, um den Data Product Generator und den Query Template Generator zu nutzen. Der eine synchronisiert InfoProvider als Data Products in den Data Lake Space der BDC, der andere generiert aus BW Queries fertige Analytic Models in Datasphere. Ein legitimer Weg, der die Daten Stück für Stück in die Cloud holt.

Nur beantwortet dieser Weg eine ganz andere Frage. Er bringt die Daten in die Cloud, aber er öffnet ein bestehendes BW nicht für agentische KI. Die offiziellen MCP Server von SAP kümmern sich heute um die Anwendungsentwicklung, etwa um ABAP, Fiori, CAP und UI5. Für das BW selbst bietet SAP nichts an, womit man eine agentische Umgebung wie Claude, Copilot oder Cursor direkt an ein bestehendes System anbinden und darin lesen oder entwickeln könnte.
Genau da setzt der BW Modeling MCP Server an. Er nimmt die internen Schnittstellen, über die auch die BW Modeling Tools in Eclipse und das BW/4HANA Cockpit mit dem System reden, und stellt sie einem Agenten als Werkzeuge zur Verfügung. So kann der Agent gewachsene Datenmodelle nachvollziehen, neue Objekte und Transformationen anlegen und Ladeprozesse starten. Und das eben nicht als Vorschlag im Chatfenster, sondern als echte Arbeit im laufenden System, an deren Ende ein aktiviertes Objekt auf dem Transportauftrag steht.
Präsentation: Agentische Entwicklung mit SAP BW
Was der MCP-Server im BW leisten kann
Verstehen
Der Agent liest nicht nur einzelne Objekte, sondern die Zusammenhänge dahinter. Er durchsucht das System, zeigt, wo ein Objekt überall verwendet wird, und verfolgt den Datenfluss über alle Ebenen und jeden Objekttyp bis hinunter zur einzelnen Routine, Planungsmodelle eingeschlossen. So hangelt er sich selbstständig rückwärts durch beliebig tiefe Beladungsketten, von der Query bis zum Quellsystem, und erklärt gewachsene Logik in verständlichem Klartext.Bauen
Hier deckt er alles ab, was im Modellierungsalltag anfällt. InfoObjects und InfoAreas, aDSOs, DataSources und InfoSources, CompositeProvider, Transformationen samt Routinen in ABAP und AMDP, DTPs, Queries mit ihren wiederverwendbaren Bausteinen wie Variablen, eingeschränkten und berechneten Kennzahlen und Strukturen, Aggregationsebenen und Prozessketten. Er legt sie an, ändert sie, aktiviert und ordnet Pakete und Transportauftrag zu, über dieselben Schnittstellen und nach demselben Sperrprotokoll, mit denen auch Eclipse arbeitet.
Betreiben
Er führt DTPs aus, aktiviert und löscht Requests, schreibt Daten über die Push API direkt in ein aDSO, startet und überwacht Prozessketten, verfolgt Remodellierungen und schaut sich Ladeläufe nach Status, Fehlern und Historie an. Erst damit schließt sich der Kreis, denn was der Agent baut, kann er auch beladen, prüfen und im Fehlerfall genauer untersuchen.Die Funktionen des MCP-Servers im Überblick
Die Landkarte zeigt, mit welchen Objekten und Funktionsbereichen der MCP Server arbeitet, geordnet nach Lesen, Anlegen und Ausführen und je Bereich, wie viel davon auf einem klassischen BW 7.5 zur Verfügung steht. Bewusst auf Gruppenebene, denn der Werkzeugkasten wächst laufend. Den tagesaktuellen Stand jedes einzelnen Werkzeugs dokumentiert die Tools Reference im GitHub Repository.
Mit den BW-Daten sprechen: Talk to Your Data
Über die BICS Schnittstelle arbeitet der Agent auch direkt mit den Daten selbst. Er führt Queries aus oder fragt einen InfoProvider ab, mit Variablen, Filtern und Navigation durch Hierarchien, und zwar auch dann, wenn dafür noch gar keine Query existiert. Man stellt Fragen wie
„Zeig mir die fünf umsatzstärksten Produkte je Monat",
der Agent sucht den passenden Provider, versteht das Datenmodell, aggregiert und liefert das Ergebnis direkt im Chat zurück. Für Fachanwender gibt es dafür im zentralen Betrieb eine eigene Rolle mit einem bewusst kleinen Werkzeugkasten, der nur das Abfragen und Verstehen der Daten enthält und die Modellierung außen vor lässt.
Wie der Server arbeitet
Technisch übersetzt der Server die Aufrufe des Agenten in Requests an vier SAP Schnittstellen, die BW Modeling REST API für Objekte, Queries und Livedaten, die ADT API für die ABAP und AMDP Routinen, die das BW selbst generiert, die Manage API für Request Monitor und Laufzeit und die Push API für Beladungen. Damit bewegt sich der Agent auf genau den Wegen ins System, die SAP für die Modellierung vorgesehen hat. Was ein Entwickler in Eclipse Klick für Klick erledigt, formuliert der Agent als Prompt. Es gibt keinen zweiten, selbstgebauten Zugang ins System.
Beim Schreiben folgt er dem Sperrprotokoll des BW. Er sperrt das Objekt, liest dessen aktuelles XML, wendet die Änderung an, schreibt alles vollständig zurück, aktiviert und entsperrt wieder, also genau die Mechanik, mit der auch Eclipse arbeitet. Dabei greifen dieselben Prüfungen von Syntax und Aktivierung wie im Standard, sodass am Ende ein sauber aktiviertes und konsistentes Objekt steht. Jede Änderung landet auf einem Transportauftrag und wandert über den gewohnten Transportweg durch die Systemlandschaft bis nach Q und P.
Der Server ist Open Source unter MIT Lizenz, in TypeScript geschrieben und über npm installierbar. Entwickelt wird offen auf GitHub, sodass jede Codezeile einsehbar ist und man jederzeit nachvollziehen kann, was im eigenen System passiert.
In Betrieb nehmen, lokal oder zentral auf der BTP
Den Server kann man auf zwei Arten betreiben und beide sind gleichwertig gedacht.
Lokal startet die agentische Umgebung wie Claude Code den Server als Node.js Prozess auf dem Rechner des Entwicklers, die Zugangsdaten liegen in einer lokalen Konfigurationsdatei. Das ist der schnellste Weg, wenn eine einzelne Person loslegen will. Trotz des Namens ist der Server in diesem Fall kein dauerhaft laufender Dienst, sondern ein Programm, das nur während der Arbeitssitzung aktiv ist. Zum echten Dienst wird er erst zentral.
Zentral läuft derselbe Server als HTTP Dienst auf SAP BTP Cloud Foundry. Die Anmeldung übernimmt XSUAA, der Authentifizierungsdienst der BTP, den ein Unternehmen ohnehin schon nutzt, und dahinter führt eine BTP Destination über den Cloud Connector ins BW. Der Client braucht nur die URL, um den Rest kümmert sich der Login im Browser. So arbeiten mehrere Leute mit einem gemeinsamen Dienst, ohne dass jemand lokal etwas installieren muss.
Im zentralen Betrieb bringt der Server drei Rollen als Vorschlag mit. Der BW MCP Analyst bekommt nur, was zum Abfragen und Verstehen der Daten nötig ist, der BW MCP Reader alle lesenden Werkzeuge, der BW MCP Developer den vollen Werkzeugkasten. Einem Reader werden die schreibenden Werkzeuge nicht bloß verweigert, sie tauchen in seiner Werkzeugliste gar nicht erst auf, sodass die KI einen unerlaubten Aufruf nicht einmal vorschlagen kann. Darunter greift dann immer noch das BW selbst. Über Principal Propagation arbeitet jeder im Namen seines echten Nutzers mit dessen eigenen Berechtigungen, nicht über einen geteilten technischen Sammelnutzer, und XSUAA schreibt jeden Login mit. Die MCP Rolle ist das erste Tor und die BW Berechtigung das zweite.
Möglich wurde das durch die Vorarbeit von Marian Zeis. Er hatte den XSUAA Mechanismus für seinen eigenen ABAP MCP Server ARC-1 schon als eigenständiges Paket herausgelöst, und genau darauf setzt der BW Modeling MCP Server auf.
Im Verbund stark: ein Kundenbeispiel
Richtig stark wird der Server im Zusammenspiel mit einem ABAP MCP Server wie ARC-1. Für Logik in ABAP und SQLScript arbeiten beide Hand in Hand, also genau die Arbeitsteilung, die man aus Eclipse zwischen den BW Modeling Tools und den ABAP Development Tools kennt. Wie viel das bringt, zeigt ein reales Beispiel.
Ein Energieversorger löst seine über Jahre gewachsene SAP IS U Umgebung ab und stellt die Abrechnung auf S/4HANA for Utilities um. Das BW/4HANA dahinter bleibt, die Quelle darunter wird komplett ausgetauscht. Damit fällt die gesamte Anreicherung weg, die früher über Customer Exits im Quellsystem steckte, und genau die fehlt später in den Auswertungen.
Hier spielen die beiden Server ihre Stärke aus. Zuerst bindet der Agent über den BW MCP Server die DataSources aus dem neuen System an die bestehenden Provider an und mappt die Standardfelder. Dann folgt die Gap Analyse. Für jedes fehlende Feld liest er über den ABAP MCP Server direkt im Altsystem nach, aus welcher Tabelle es stammt und welche ABAP Logik es einst abgeleitet hat. Für den Nachbau bindet er je Lookup Tabelle eine CDS basierte DataSource an, baut das Staging auf und gießt die alte Logik in eine AMDP Routine auf dem neuen Fundament. Zur Inbetriebnahme erweitert er die Ladeschritte und Prozessketten, startet die Testbeladung und prüft die Ergebnisse direkt im System.
An den entscheidenden Stellen legt der Agent gut lesbare Zwischenstände vor, gegen die das Team prüft, bevor es weitergeht. So bleibt die Kontrolle beim Menschen, und aus tagelanger Detektivarbeit in Eclipse wird ein geführter, nachvollziehbarer Ablauf.
Was Sie brauchen, Kompatibilität und Grenzen
Das Setup ist bewusst unspektakulär. Benötigt werden eine agentische Umgebung wie Claude, Codex oder Copilot, ein BW System mit Zugriff auf die internen Modellierungsschnittstellen und Node.js auf dem Rechner, für den zentralen Betrieb zusätzlich ein BTP Subaccount. Installiert wird der Server über npm und über wenige Konfigurationswerte eingerichtet, im Wesentlichen die Verbindung zum jeweiligen BW System. Lokaler und zentraler Betrieb sind im GitHub Repository Schritt für Schritt dokumentiert.
Der Server arbeitet mit BW/4HANA in allen Versionen und mit der SAP BW Bridge über eine Anmeldung per Cookie. Auch ein klassisches SAP BW 7.5 on HANA lässt sich anbinden. Möglich macht das ein kleines Enhancement, das ohne Modifikation des SAP Standards auskommt und sich jederzeit wieder entfernen lässt. Der Server erkennt dann selbst, mit welcher Plattform er spricht, und bietet dem Agenten nur die Werkzeuge an, die das System auch bedienen kann.
Auf einem 7.5 liest der Server damit das gesamte Repository und was das System nicht über eine Schnittstelle veröffentlicht, holt er direkt aus den Metadatentabellen, darunter Transformationen, DTPs, Prozessketten samt Laufhistorie, Planungsobjekte und sogar den Analyseprozessdesigner, für den es nie eine Schnittstelle gab. Auch das Modellieren funktioniert dort für InfoAreas, InfoObjects, aDSOs, InfoSources, CompositeProvider, Queries mit ihren Bausteinen und Aggregationsebenen, jedes davon gegen ein 7.5 System verifiziert. Grenzen bleiben dort, wo BW 7.5 schlicht keine Schnittstelle bereitstellt. Klassische Objekte wie InfoCubes und MultiProvider, Transformationen, DTPs und Prozessketten lassen sich lesen, aber nicht schreiben, erkennbar auch daran, dass selbst Eclipse für diese Objekte die eingebettete SAP GUI öffnet. Welche Werkzeuge auf dem konkreten System verfügbar sind, beantwortet der Server dem Agenten mit einem einzigen Aufruf selbst.
Unterhalten Sie sich mit unserem Experten!
FAQ - Agentic AI für SAP BW
Hier finden Sie einige der häufig gestellten Fragen zur Agentic AI für SAP BW
Sie wollen mehr über Agentic AI erfahren?
In unserem Blog finden Sie weitere interessante Artikel zu diesem Thema
Agentic AI im Data Engineering: Warum Architektur entscheidend ist
In einem früheren Artikel haben wir gezeigt, wie wir in Databricks einen KI-Agenten entwickelten,...
Agentic AI in der Praxis: MCP-Server für SAP BW/4HANA
Im April hatten ich hier den bw-modeling-mcp vorgestellt, einen Open-Source-MCP-Server, der...
Agentic AI meets SAP BW
Ich sitze vor der UI und starre auf den Bildschirm: „Aktivierung läuft… Editor nicht änderbar." Man...
Agent Bricks in Databricks: Mit Daten chatten und Mehrwert schaffen
Die Landschaft der Unternehmens-KI verändert sich rasant von einfachen „generativen KI”-Chatbots,...
/Logo%202023%20final%20dunkelgrau.png?width=221&height=97&name=Logo%202023%20final%20dunkelgrau.png)
