S4HANA - benötige ich noch ein SAP BW?

Lutz Morlock

Geschrieben von: Lutz Morlock - 11 Oktober, 2019

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Vor allem in der IT wechseln sich neue Technologien ständig ab. Während vor knapp 10 Jahren der BW Accelerator noch der letzte Schrei war, wurde diese Technologie inzwischen durch die neue In-Memory Generation abgelöst. Was die Kunden dazu zwingt, Ihre IT-Landschaft zu überdenken.

Das Em­por­kom­men neuer Technologien, wie HANA in Verbindung mit S/4HANA, birgt allerdings viele Unsicherheiten für die Kunden. Benötige ich eigentlich noch ein Business Warehouse? Sind meine Investitionen sicher? In diesem Artikel beantworte ich diese Fragen und räume Unsicherheiten aus.

SAP BW wurde erstmal 1998 der Öffentlichkeit vorgestellt, schon damals kam in InfoCubes das Sternschema zum Einsatz und es gab auch eine Exceloberfläche. Im Jahr 2000 wurde die PSA (persistent staging area) vorgestellt und das Sternschema vereinfacht. 2002 bis 2003 konnten auch Daten aus nicht-SAP Systemen angebunden werden und die XML-Unterstützung wurde eingeführt. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde SAP BW Teil von NetWeaver und BPS (Business Planning and Simulation) wiederum Teil von BW. In der Periode von 2006 bis 2009 wurden die Designwerkzeuge BEx Query Designer und Web Application Designer aktualisiert und ein grafisches Interface für ETL-Prozesse eingeführt. Ab 2010 wurden die Datenmengen immer größer und so wurden BW Accelerator (BWA) und Layered Scalable Architecture (LSA) vorgestellt, um die Performance zu verbessern.

Nach dem Erscheinen der HANA-Technologie wurde das BW mehrmals für Tot erklärt. Aber leben Totgesagte vielleicht wirklich länger? Gibt es heutzutage noch Argumente, die für BW sprechen? Schauen wir es uns gemeinsam an.

Verteilte Systemlandschaft

Die meisten Unternehmen verfügen heutzutage über eine breitgefächerte Systemlandschaft, die sich aus mehreren ERP- und Legacy-Systemen zusammensetzt. In diesem Fall ist ein Business Warehouse nötig, welches die Daten aus den verschiedenen Systemen zusammenbringt.

Datenbereinigung

Dabei müssen komplexe Geschäftstransformationen, wie zum Beispiel Datenbereinigung und Konsolidierung, durchgeführt werden, um die Informationen leicht verdaulich darzustellen. Dafür ist ein BW-System prädestiniert.

Kosten für das Informationsmanagement reduzieren

Die Kosten für das Informationsmanagement werden reduziert, indem man die Unternehmensinformationen an einem Ort speichert. So können die Informationen nach verschiedenen Aspekten aggregiert und ausgewertet werden, zum Beispiel nach Produktgruppe oder Land. Wobei man sicher sein kann, dass die ausgewertete Produktgruppe in jedem Land dieselbe Produktpalette repräsentiert.

Single Version of Truth

Unternehmen müssen also nach wie vor Daten aus mehreren Quellen kombinieren, nicht nur aus ERP. Wenn Daten aus externen Quellen stammen, ist die Notwendigkeit, diese zu bereinigen und zu harmonisieren, erheblich höher. Ohne BW, welches sich im hohen Maße für die Bereinigung und Modellierung von Daten eignet, können wir die "single version of truth" nicht erreichen.

Auswertung der Zeitreihen

S/4HANA eignet sich, dank der Struktur der HANA-Datenbank und Rechenpower, ohne Zweifel für operationales Reporting. Die eingebetteten Analytics Bestandteile ermöglichen eine schnelle und flexible Auswertung für kleine Datenmengen in Echtzeit, sind aber weniger für Zeitreihen geeignet.

Datenvolumen steigt zusehend

Unternehmensgedächtnis

Für Unternehmensberichte ist ein Corporate Memory unabdingbar. Andernfalls können keine Berichte aus früheren Perioden erstellt werden, als die CCA-, PCA- und Organisationshierarchien oder der Kontenrahmen geändert wurden. Auch dafür kommt nur das BW in Frage.

Datenvolumen

In den letzten Jahren haben wir beobachtet, wie die Datenmenge von Megabyte über Gigabyte zu Terabyte angewachsen ist. In den nächsten Jahren wird es wahrscheinlich zu einer Explosion des Datenvolumens kommen, vor allem aus unstrukturierten Daten. Es wäre wohl naiv, dieses Datenvolumen mit entsprechender Komplexität auf einem einzigen S/4HANA-System bewältigen zu wollen, ohne dabei Abstriche bei Agilität und Flexibilität zu machen.

Business Content

Nicht zu unterschätzen ist auch der mit SAP BW standardmäßig ausgelieferte Business Content, der viele Standardszenarios abdeckt. Entwicklungen ohne Business Content sind sehr zeit- und kostenintensiv.

Governance

Darüber hinaus spielt auch der Governance-Aspekt eine Rolle. So wird das SAP BW bei vielen Kunden normalerweise lockerer gehandhabt, da das Reporting auch mal ausfallen darf. Dabei werden agile Entwicklungsansätze eingesetzt, die auch Fehler zulassen. Wenn dagegen S/4HANA als ERP-System ausfällt, fahren keine LKWs mehr vom Hof. Da die Verfügbarkeit von S/4HANA viel kritischer ist, ist es sinnvoll die Systeme zu trennen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht darum geht, sich entweder für BW oder S/4HANA zu entscheiden. Vielmehr geht es darum, die Vorteile von BW und S/4HANA gezielt einzusetzen und operatives Reporting von Business Warehouse zu trennen.

Möglicherweise wird in der Zukunft die PSA-Schicht des BW durch den direkten Zugriff auf das HANA-Quellsystem ersetzt. Dadurch wird eine weitere Ebene zwischen BW und ERP entfernt. Was die Systeme näher zusammenbringt.

Darüber hinaus verspricht SAP Data Warehouse Cloud vorgefertigte Vorlagen, eine Integration mit SAP- und anderen Datenquellen sowie die leistungsstarken Funktionen von SAP HANA zu verbinden. Dabei sollen auch die Einrichtung und Bedienung vereinfacht werden. Gleichzeitig sollen die Kosten gesenkt werden. Die Frage ist also nicht, ob HANA BW ersetzen wird, sondern wie HANA BW verbessern kann.

 

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Bildquelle: Pexels, CC0 License

 

Themen: SAP HANA, SAP BW/4HANA

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